In Memory of Thomas Ossent...

1948 - 2009

Rest In Peace...Thomas

 

Es muss Ende 1966 gewesen sein,

als mich ein Bursche gleichen Alters eines Abends in der "Alten Disco" an der Löwenbrücke fragte: "Was studierst du denn??" Er war mir vom ersten Moment an sehr sympathisch, denn er hatte für die damalige Zeit, genau wie ich, sehr lange Haare. Das zeugte von einem gewissen Selbstbewusstsein, da man zu jeder Zeit mit Anfeindungen in der Gesellschaft zu rechnen hatte.

Zuerst war ich etwas irritiert, fand die Frage aber lustig und genauso beantwortete ich sie auch. "Ich arbeite in einem Forscherteam im Auftrag des European Exchange System und bezahlt werden wir vom Amt für Verteidigungslasten. Wir berechnen die Energiewerte, welche benötigt werden um ein Haus mit warmem Wasser und mit Wärme zu versorgen." Er schaute mich verdutzt an und ich fuhr mit einer Erklärung fort: "Am wichtigsten sind bei unseren Berechnungen die Außentemperaturen. Dann kommt es darauf an, ob eine Warmwasserpumpe in Betrieb ist oder ob nur über das heiße Wasser in einer Steigleitung eine Umwälzung erfolgt." Ich musste mir das Lachen verkneifen, als ich seinen erstaunten Gesichtsausdruck sah. "Jetzt kommt meine Arbeit," fuhr ich fort "meine Aufgabe ist es herauszufinden, wie viel (schwarzen) Koks man benötigt um die Temperatur erst mal am Morgen auf 80 Grad Celsius hochzufahren. Zuvor muss ich aber die ganze Schlacke und Asche vom Versuch des Vortages aus dem Kessel herausholen. Diese Menge muss ich mir merken und dann in Mülleimer über einen Aufzug mit der Hand nach oben kurbeln, damit die Müllabfuhr sie entleeren kann.“ Dann konnte ich mir das Lachen nicht mehr verkneifen und ich erklärte ihm, dass ich als Kohlenschipper (Heizer), teils in der einer amerikanischen Siedlung den Wohnhäusern oder in der Elementary- bzw. High School arbeite. Dann zeigte ich ihm meine Hände, wo die Handflächen aus einer einzigen Schwiele (Hornhautschicht) bestand.

Er hieß Thomas und sagte mir, dass er noch zur Schule geht und im nächsten Jahr sein Abitur machen wird. Er war hochintelligent, hatte so wie ich mich erinnern kann, in der Schule nur „1er“ geschrieben. Wir waren vom ersten Moment an gefühlte eineiige Zwillinge und hatten in den darauf folgenden Jahren viel Spaß zusammen, waren bekannt wie „zwei bunte Hunde“ und hatten bald einen respektablen Ruf in Würzburg.

Zusammen hatten wir die ersten Kontakte mit Drogen aller Art, probierten sie aus und analysierten die Folgen. Wir kauften uns auch die entsprechende Lektüre, wo die Substanzen erklärt, die Auswirkungen beschrieben wurden und verglichen diese mit unseren Erfahrungen. Auf keinen Fall haben wir Drogen genommen um uns hinzurichten, es ging uns nur um, im wahrsten Sinne des Wortes, die Bewusstseinserweiterung.

                                   (Und wir hatten mächtig Spaß beim erweitern unseres Bewusstseins)

Auch hatten wir eine große Bindung zur Musik. Thomas konnte Gitarre spielen und für ihn war es ein Leichtes die Harmonien herauszuhören. Er sang gut und auch in den Dialekten der Musiker mit einer gewissen Belustigung. 1968 lernte er Angela kennen, schrieb auch das beste Abitur in Bayern und studierte dann Medizin. Er gründete mit Angela eine Familie, Sohn Julian kam 1973 zur Welt und er kaufte eine Praxis in Norddeutschland.

Mein Leben verlief etwas anders. 1969 zog es mich wieder nach Schweden und ich lebte eine Zeit in Stockholm. Als ich 1971 zurück kam musste ich zu Bundeswehr. Mein Sohn Oliver erblickte im Herbst das Licht der Welt und wir sahen uns nur selten, wenn ich mal am Wochenende aus der Kaserne kam und dann nur zufällig. Letztendlich riss der Kontakt gänzlich ab und wir verloren uns aus den Augen.

Mit Sicherheit war die Zeit mit ihm für mich und wie ich jetzt von seinem Sohn Julian erfahren habe, auch für ihn die schönste Zeit in unserem Leben, von der er bis zu seinem Tod erzählt hat. 

Am 14.12.2009 erlag Thomas einem Herzinfarkt.

Farewell, mein Freund...

"there is a lot of Love you goes on, but we don't think about until we need it... more than ever......cause it's gone"

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