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Muddy Waters (eigentlichMcKinley Morganfield, * 4. April 1915 in Rolling
Fork, Mississippi; † 30. April 1983 in Westmont,
Illinois) war einer der einflussreichsten US-amerikanischen Bluesmusiker. Kindheit
und Jugend Er
wurde als McKinley Morganfield geboren. Da die Familie in der Nähe eines
kleinen Nebenflusses des Mississippi namens Deer Creek wohnte und er oft in
diesem spielte und dabei dreckig wurde, bekam er von seiner Schwester den
Spitznamen Muddy Waters („schlammiges Wasser“). 1918
starb seine Mutter und er wuchs fortan bei seiner Großmutter in Clarksdale auf.
Als Jugendlicher brachte er sich das Mundharmonikaspiel bei und um 1930 trat er
zusammen mit Scott Bowhandle (Gitarre), Son Simms (Fiddle) und Louis Ford
(Mandoline) auf Parties und in Juke Joints auf. 1932 kaufte er sich seine erste
Gitarre und Scott Bowhandle brachte ihm die Grundkenntnisse auf dem Instrument
bei. Beeinflusst von Son House und Robert Johnson entwickelte Muddy Waters in den
nächsten Jahre seine Bottleneck-Technik. Library
Of Congress Während
er als Traktorfahrer auf einer Plantage in Stovall arbeitete, nahm er 1941
einige Songs für die Musikforscher Alan Lomax und John Work auf, die damals im
Auftrag der US-amerikanischen Library of Congress die Volksmusik in den
US-Südstaaten dokumentierten. Zwei dieser Aufnahmen (Country Blues/I Be's
Troubled) erschienen auf einer Schellackplatte, die jedoch nicht zum Verkauf
bestimmt war, sondern lediglich Dokumentationszwecken diente. Weitere Aufnahmen
folgten 1942 und zeigten Muddy Waters auch im Zusammenspiel mit dem Gitarristen
Charles Berry, sowie als Mitglied der Son Simms Four. Diese Aufnahmen
verschwanden – genauso wie der Rest der 1941er Einspielungen – im Archiv der
Nationalbibliothek und wurden erst 1966 teilweise von Pete Welding auf
Testament Records veröffentlicht. Eine Komplettedition (The Complete Plantation
Recordings) der Aufnahmen wurde 1993 von MCA Records vorgelegt. Chicago 1943
zog er, wie viele andere Afro-Amerikaner in dieser Zeit, Richtung Norden nach
Chicago. Dort wohnte er zunächst bei seiner Schwester und fand Arbeit in einer
Papierfabrik. Nebenher spielte er weiter Gitarre und festigte seinen Ruf als
Bluesmusiker. Um sich in den oft überfüllten und daher sehr lauten Clubs
behaupten zu können, tauschte er jedoch bald seine akustische gegen eine
elektrische Gitarre ein. Durch Big Bill Broonzy gelangte er schließlich in den
Blues-Club namens Sylvio's, wo auch Musiker wie Sonny Boy Williamson II.,
Doctor Clayton oder Tampa Red auftraten. 1946 bekam er seine erste Chance eine
Platte für ein kommerzielles, wenn auch obskures Plattenlabel (20th Century)
einzuspielen. Das Resultat Mean Red Spider, wurde lediglich als B-Seite einer
Single des Sängers James "Sweet Lucy" Carter veröffentlicht. Eine
weitere Aufnahmesession im September 1946 für Columbia Records blieb bis 1973
unveröffentlicht. 1947 spielte Muddy mit dem Pianisten Sunnyland Slim zusammen.
Als dieser einen Termin bei der Plattenfirma „Aristocrat“ hatte, ließ er Muddy
Waters suchen, damit er ihn begleiten konnte. Am Ende der Aufnahmesession
durfte Muddy zwei eigene Kompositionen einspielen: Gypsy Woman/Little Annie
Mae. Auch diesmal wurde daraus kein Hit. 1948 bekam Muddy eine weitere Chance
bei Aristocrat Records, und spielte seine beiden Stücke I Can't Be Satisfied
und I Feel Like Going Home ein, welche er schon Alan Lomax zum Besten gegeben
hatte. Erste
Erfolge Obwohl
diese beiden Stücke völlig anders klangen als die gängigen Bluesstücke jener
Zeit (Louis Jordan, Nat King Cole usw.), wurden sie ein regionaler Erfolg.
Deshalb spielte Muddy Waters auf Drängen seiner Plattenfirma zunächst weitere
Stücke in einer recht kargen Besetzung nur mit E-Gitarre und Kontrabass ein.
Auf seinen Konzerten trat Muddy Waters jedoch längst mit seiner eigenen Band
auf, der unter anderem damals Jimmy Rogers, Little Walter und Leroy Foster
(ersetzt durch Elgin Evans) angehörten. Mittlerweile hatte auch Aristocrat
Records (später Chess Records) das Potential der Band erkannt und brachte
Platten mit erweiterter Besetzung heraus, die an den Erfolg von I Can't Be
Satisfied und I Feel Like Going Home anküpfen konnten. Hits aus dieser Zeit
waren unter anderem Louisiana Blues (1951), Long Distance Call (1951), Still A
Fool (1951) und She Moves Me (1952). König
des Chicago Blues 1953
stieß der Pianist Otis Spann zur Band und der Sound änderte sich abermals.
Muddy Waters selbst spielte mittlerweile immer weniger Gitarre und konzentrierte
sich dafür stärker auf seinen Gesang. Erwähnung finden sollte auch der Bassist
Willie Dixon, der einige Hits für Muddy Waters schrieb und bei den meisten
Studiosessions mit von der Partie war. Aufgrund seiner Funktion als Hausbassist
bei Chess Records konnte er jedoch aus zeitlichen Gründen nie mit Muddys Band
auf Tournee gehen. Obwohl die Besetzung der Band in den folgenden Jahren
mehrmals wechselte und erweitert wurde, wuchs der Erfolg. Einspielungen aus
dieser Zeit – wie etwa I'm Your Hoochie Coochie Man (1954), Just Make Love To
Me (1954), Mannish Boy (1955) oder Trouble No More (1956) – markierten einen
Höhepunkt seiner Karriere und gelten heute als Klassiker des Chicago Blues.
Bald war Muddy Waters einer der erfolgreichsten Bluesmusiker und spielte auch
außerhalb der USA. So tourte er 1958 mit Otis Spann und der Chris Barber Band
durch England. Newport
Jazz Festival 1960
trat Muddy Waters im Zuge des Folk-Revival auf dem Newport Jazz Festival auf.
Für viele weiße Fans war es damals die erste Chance eine Bluesband live zu
erleben. Muddy selbst spielte auf dem Konzert ein wenig Slide-Gitarre,
konzentrierte sich aber vor allem auf seinen immer expressiver werdenden
Gesang. Die Band bestand damals aus James Cotton, Otis Spann, Pat Hare, Andrew
Stephenson und Francis Clay. Der Live-Mitschnitt des Konzerts wurde als Album
veröffentlicht und sollte Muddy später helfen, sich einem neuen Publikum - vor
allem in Europa - zu präsentieren. Tiefpunkt Kommerziell und künstlerisch gesehen, markierten die folgenden Jahre jedoch zunächst einen Tiefpunkt in Muddys Karriere. Aufgrund des allgemein schwindenden Interesses an Blues-Musik in den USA, versuchte Chess Records, neue Strategien zu finden, um den Künstler Muddy Waters besser vermarkten zu können. Experimente mit modernen bläserorientierten Arrangements, Orgelbegleitung und Background-Sängerinnen blieben ebenso erfolglos, wie der Versuch einen Twist-Song einzuspielen. Folk
Singer 1963
wagte die Plattenfirma ein weiteres Experiment. Diesmal versuchte sie Muddy
Waters als Country Blues Musiker in einer rein akustischen Umgebung zu
präsentieren. Keine elektrisch verstärkten Instrumente mehr, lediglich
akustische Gitarren, Kontrabass und ein kleines Schlagzeug bildeten das
Rückgrat für Muddys intensiven Gesang. Musikalisch erwies sich dieses
Experiment als erfolgreich und das daraus resultierende Album Folk Singer
führte den Begriff unplugged ein, lange bevor dieser durch MTV Unplugged
geprägt wurde. American
Folk Blues Festival Im
Oktober 1963 tourte Muddy Waters mit dem American Folk Blues Festival durch
Europa. Ausschnitte dieser Tournee wurden später in der von Joachim Ernst
Berendt produzierten Fernsehsendung Jazz – gehört und gesehen gezeigt. 1964
folgte noch einmal eine Europatournee. Im Gegensatz zu den USA, wo das
Interesse der jungen afro-amerikanischen Bevölkerung am Blues immer mehr
nachließ, begann sich in Europa die Jugend für den Blues zu begeistern. Viele
junge Musiker verehrten Muddy Waters als Vorbild und spielten seine Songs. So
unter anderem die Rolling Stones, die auf ihren ersten Alben mehrere Muddy
Waters Stücke coverten. Neue
Strategien Muddy
Waters Publikum war mittlerweile völlig ausgetauscht worden. Seine neuen
(weißen) Fans liebten und verlangten nunmehr den Sound der Muddy Waters Band
der 1950er Jahre, der von den meisten Afro-Amerikanern in den 1960er Jahren als
"alter Hut" abgetan wurde. Chess Records – bislang nur darauf
ausgerichtet, Blues für ein afro-amerikanisches Publikum zu produzieren –
reagierte auf diesen Trend mit weiteren neuen Marketing-Strategien. So erschien
1966 das Brass And The Blues Album, das ein "reifes" Jazzpublikum
ansprechen sollte. Das Album bestand aus Bluesstandards, die von Muddy Waters
neu interpretiert wurden. Ein zugefügter Bläsersatz sollte das Produkt
musikalisch aufwerten. Von den Fans wurde das Album jedoch größtenteils
ignoriert. 1967 erschien dann das Super Blues-Album mit Muddy Waters, Bo
Diddley und Little Walter. Dieses Album war als Jam-Session konzipiert und
sollte ein Hippie-Publikum ansprechen. Obwohl das Ergebnis etwas chaotisch
klang, war das Album erfolgreich genug, um einige Monate später das Super Super
Blues-Projekt folgen zu lassen. Das Konzept war identisch, lediglich Little
Walter wurde durch Howlin' Wolf ersetzt. 1968 bzw. 1969 folgten die vom
Psychedelic Rock beeinflussten Konzept-Alben Electric Mud und After The Rain.
Beides Veröffentlichungen, die kontrovers diskutiert wurden. Fathers
And Sons Die Veröffentlichung
von Fathers And Sons im Septemer 1969 markierte Muddys Rückkehr zu einem
traditionelleren musikalischen Konzept auch im Studio. Für dieses Album hatte
man Muddy Waters (als "Vater") mit jungen US-amerikanischen Musikern
– Mike Bloomfield, Paul Butterfield und Donald "Duck" Dunn –
zusammengebracht. Mit zusätzlicher Unterstützung von Otis Spann am Klavier und
Sam Lay am Schlagzeug entstanden hörenswerte Neuauflagen einiger seiner
Klassiker. Die zweite LP des Doppel-Albums war ein Live-Mitschnitt eines
Konzerts, das im Anschluss an die Studio-Sessions stattgefunden hatte. Im
Oktober 1969 wurde Muddy bei einem Autounfall schwer verletzt und war
monatelang auf Krücken angewiesen. Ende 1970 konnte er jedoch schon wieder auf
Europatournee gehen. Auf
Tour Da
Muddy Waters seinen Ruf als mitreißender Live-Künstler weiterhin festigte, ist
es nicht verwunderlich, dass seine Plattenfirma 1971 das Album Live At Mr.
Kelly's veröffentlichte. Es präsentierte Muddy live in einem Chicagoer Blues-Club.
Zur Band gehörten damals Paul Oscher, Pinetop Perkins, Pee Wee Madison, Sammy
Lawhorn, Calvin "Fuzz" Jones und Willie "Big Eyes" Smith.
Obwohl Muddy Waters in den 1970er Jahren fast ständig auf Tournee war, blieb
ihm dennoch Zeit, sich weiteren Studioprojekten zu widmen. 1972 erschien das
Album London Sessions, das er zusammen mit britischen Musikern einspielte. Rory
Gallagher, Steve Winwood, Georgie Fame und Mitch Mitchell – doch zeigte dieses
Album leider, dass illustre Gäste noch lange kein Garant für Qualität sind.
Eine anschließende Europatournee führte unter anderem auch in die Schweiz. Dort
trat Muddy im Juni 1972 beim renommierten Montreux Jazz Festival auf. Dieser
Auftritt wurde teilweise auf der LP Blues Avalanche – Montreux 1972 veröffentlicht.
Zwischendurch erschien das 1972 in Chicago eingespielte Album Can't Get No
Grindin'. 1973 folgten Tourneen durch Australien und Neuseeland. Im Januar 1974
fand Muddy wieder Zeit ein weiteres Studioalbum in Chicago einzuspielen – Unk
In Funk. Trotz des etwas irreführenden Titels handelte es sich um eine solide
Veröffentlichung. Im gleichen Jahr war er wieder in Europa unterwegs und trat
beim Jazzfestival in Antibes, sowie beim Montreux Jazz Festival auf. Sein
letztes Album für Chess Records wurde 1975 mit Mitgliedern von The Band
eingespielt. Das Jahr 1976 brachte eine weitere große Europatournee mit
Stationen in Deutschland, Polen, Schweden, Italien und der Schweiz. Im gleichen
Jahr verließ Muddy Waters Chess Records und unterzeichnete einen Vertrag bei
Blue Sky Records, einem Label, das Johnny Winters Manager Steve Paul gehörte. Blue
Sky Im
Januar 1977 wurde das erste von Johnny Winter produzierte Album Hard Again für
Blue Sky veröffentlicht. Das Album war bereits im Oktober 1976 in lockerer
Atmosphäre im Studio von Dan Hartman eingespielt worden und wurde ein großer
Erfolg. Das auf dem Album enthaltene Remake von Mannish Boy wurde 1988 in einem
Werbespot der Jeansmarke Levi's verwendet und bescherte Muddy Waters einen
posthumen Hit in Großbritannien. I'm Ready, Muddys zweites Album für Blue Sky
wurde 1978 veröffentlicht. Von der Atmosphäre her ähnlich wie das
Vorgängeralbum, konnten für diese Aufnahmesessions zwei besondere Gastmusiker
gewonnen werden: Jimmy Rogers und Walter Horton, beides Musiker, die bereits in
den 1940er und 1950er Jahren in Muddys Band gespielt hatten. Das dritte Blue
Sky Album Muddy "Mississippi" Waters Live war ein Live-Album und
bestand aus Titeln, die zum Teil bereits 1977 während einer Promotion-Tour für
das Hard Again Album mitgeschnitten worden waren. Ergänzt wurden diese
Aufnahmen durch Live-Mitschnitte von 1978. Die Aufnahmesessions für Muddys
letztes Album King Bee im Mai 1980 standen unter keinem guten Stern. Es gab
Spannungen zwischen Muddy, seiner Band und seinem Manager Scott Cameron wegen
einer geschäftlichen Auseinandersetzung. Nach einer anschließenden zweiwöchigen
Japantournee trennte sich die Band (Luther "Guitar Jr." Johnson, Bob
Margolin, Jerry Portnoy, Calvin "Fuzz" Jones, Pinetop Perkins, Willie
"Big Eyes" Smith) schließlich von Muddy. Alle Musiker hielten jedoch
ihre persönliche Freundschaft zu Muddy bis zu seinem Tod 1983 aufrecht. Die
letzten Jahre Mit
einer neuen Band,die aus Lovie Lee, George "Mojo" Buford, John
Primer, Rick Kreher, Earnest Johnson und Ray Allison bestand, ging Muddy 1980
das letzte Mal auf Europatournee. Aufgrund seines schlechter werdenden
Gesundheitszustandes mussten jedoch immer mehr Konzertauftritte abgesagt
werden. 1981 spielte er zusammen mit den Rolling Stones in der Checkerboard
Lounge in Chicago. Ein Videomitschnitt des Konzerts erschien auf einer
Bootleg-LP und stellt das letzte bekannte Tondokument Muddy Waters' dar. Am
29. April 1983 feierte der Londoner Marquee Club sein 25-jähriges Jubiläum mit
Künstlern wie Alexis Korner, Charlie Watts oder Bill Wyman von den Rolling
Stones. Sie spielten an diesem Abend die Musik von Muddy Waters, ohne zu ahnen,
dass dies bereits ein Nachruf auf ihn war. Am nächsten Tag wurde Muddy Waters'
Tod bekannt gegeben. Bedeutung Muddy
Waters bedeutendster Beitrag zur Entwicklung des Blues ist der konsequente
Einsatz der elektrischen Gitarre. Zwar hatten bereits vor ihm einige Musiker –
beispielsweise T-Bone Walker – dieses Instrument eingesetzt, die bis heute übliche
Verwendung der E-Gitarre mit aus wenigen Akkorden aufgebauten Riffs geht jedoch
auf Muddy Waters zurück und ist eines der grundlegenden Merkmale der
nachfolgenden Blues- und Rockmusik geworden. Morganfield
trug mit seinen Interpretationen und eigenen Kompositionen entscheidend zur
Popularisierung des Blues bei. Der
von Brian Jones 1962 kreierte Name der Band Rolling Stones geht ebenfalls auf
Muddy Waters zurück. So existiert einerseits ein eigener Song von Muddy Waters
mit dem Titel "Rollin' Stone" und im Willie Dixon Song "Mannish
Boy", der von Muddy Waters interpretiert wird, findet sich die Textzeile:
"I'm a rollin' stone - I'm a man.". Muddy
Waters wurde 1980 in die Blues Hall of Fame aufgenommen. Quelle: Wikipedia |