Jane Zimmermann

 

 

* 16.10 1959 in Bielefeld, NRW,  Deutschland

23.06.2008 St. Hildegardis Krankenhaus in Köln

war eine bekannte Bluessängerin im Kölner Raum

Leben...

Jane, besser bekannt als Jazi, hat bis zu ihrem 14ten Lebensjahr in Bielefeld gelebt, kam dann auf ein Internat in Kempen, wo sie ihr Abitur gemacht hat. Danach ging sie nach Bielefeld zurück, wo sie in einigen Kellerbands gesungen hat.

1984 siedelte sie nach Köln um, weil ihr Bielefeld zu eng wurde und die Bluesszene in Köln größer war. Damals organisierte Bernard Groll die ersten R&B Sessions im Jugendzentrum Steinfelder Gasse, wo man dienstags Bluesmusik hören und selbst machen konnte. Jane hat eine kräftige rauhe, relativ tiefe Stimme und legt enorme Emotionen in ihren Gesang. Ihre Interpretation von "Thrill is gone" ist bis heute unerreicht! Sie ist zudem auch in der Folk- und Liedermacherszene zuhause. Politisch engagiert und an gesellschaftlichen Zuständen aller Art höchst interessiert, war sie mit Gitarre und Gesang auch auf Demonstrationen und Kundgebungen aktiv.

Hauptberuflich hat sie als Sozialarbeiterin an der Kölner Hauptschule Rendsburger Platz gearbeitet.

Sie hat lange Zeit als Straßenmusikerin auf der Schildergasse und am Dom gewirkt, war auch Pflastermalerin. Neben der Musik war sie eine gute Malerin, bevorzugt Kreide, Buntstifte, Öl weniger. Sie hat selbst Musikstücke komponiert. Diese gingen eher in Richtung deutsche Songs nach Art von Reinhard Mey. Obwohl sie noch gerne auf Sessions gesungen hat, wollte sie doch eher weg von derBluesszene. Trotz ihrer absolut outstanding Stimme war sie niemals länger in einer Band, was leider an ihrer Art lag, die sie überwinden wollte, aber niemals konnte. Es war der Schmerz über ihre persönliche Lage, die Diskrepanz zwischen wollen und umsetzen können, den sie in ihre Interpretationen gelegt hat. Viele Kölner Musiker kennen ihre spontanen unkonventionellen Aktionen bzw. Reaktionen auf der Bühne. So manches Set mit ihr entwickelte sich vollkommen anders als gedacht. Es gibt nur sehr wenige Kölner Blueser, die noch nicht mit Jane Zimmermann auf der Bühne gestanden haben. Leider hat man sie, bedingt durch ihre Krankheit, dort schon länger nicht mehr gesehen.Sie wusste, was kommen würde –lange leiden wollte sie nicht. Als der Arzt ihr sagte, der Krebs habe ihren Körper schon so weit erfasst, dass die einzige und beste Hilfe, die Hilfe gegen die Schmerzen sei, da gab es die Idee zu einem Konzert im August schon lange. Es sollte eine Überraschung für sie sein.Ennelin hat Jane vor ihrem Tod von der Konzertidee der Freunde erzählt und Jane hat sich sehr darüber gefreut. Dass viele an sie dachten, tat ihr gut.Gerne hätte sie noch einiges selbst geregelt, aber dazu blieb keine Zeit.
 

Sie hat darum gebeten, das Konzert auch zu machen, wenn sie nicht mehr dabei sein könne. Der Erlös der Benefiz-Veranstaltung solle der Kinderkrebs-Station Amsterdamer Straße zugute kommen. Typisch für sie: Soziales Denken und Einsatz für Kinder und Jugendliche waren ihr immer wichtig.

BENEFIZKONZERT FÜR JANE    09. August 2008

Das Benefizkonzert im ATRIUM zugunsten der Krebsstation des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Strasse war der Wahnsinn!

Raum und Veranstaltungsablauf mit 12 Musikformationen waren in jeder Hinsicht eine Herausforderung für Musiker und Soundleute.

Alle Musiker/innen spielten durchwegs auf sehr hohem Niveau: Keiner hat mit angezogener Handbremse gespielt! Alle wollten es wissen!  

Alle Bands und Formationen die am  BENEFIZKONZERT FÜR JANE teilgenommen haben sind auf der Seite vonReiner Kluth zu sehen: http://www.bluesbilder.de

 

ein Nachruf ihrer engsten Freunde Ennelin, Bernard...

Adieu – Die Bluesszene in Köln und im Umland ist traurig. 

Ihre engsten Freunde hatten eine wechselnde Nachtwache im Krankenhaus organisiert. Am 23. Juni, morgens um 4.15Uhr hörte Jane auf zu atmen.

Bernard Groll war bei ihr und schrieb in einer Mail: 

„Jane hat es geschafft! Alles gut und friedlich. Morgendämmerung. Das Fenster war auf und die Amseln fingen an zu singen..."

Vom Gesang der Amseln im Hinterhof ihrer Wohnung in Ehrenfeld und an ihrer Hütte im Bergischen war Jane immer wieder fasziniert! 

Anfang der 1980er Jahre kam Jane nach Köln. In der noch jungen Blues-Szene war sie mit ihrer Stimme eine Attraktion. Wenn Jane zu singen begann, gingen alle Blicke Richtung Bühne. Eine ergreifende Stimme mit Passion und Leidenschaft am Mikrofon – eine Erscheinung. Was für eine Frau! Die wilden langen Haare – und die Figur! Jane war ein Star der Blues Szene im Großraum Köln/Bonn/Aachen bis zu ihrem letzten Auftritt bei der Blues Session von Tom Fuchs in der Wundertüte Ende Dezember 2007. Sie hat der Szene viele Impulse gegeben und war sich nie zu schade, auch bei der kleinsten Session ihr Bestes zu geben.

Wenn es auch nicht immer einfach mit ihr war. Oft hat man nicht verstanden, was sie wollte, ob im Proberaum, vor oder auf der Bühne.... Die Kommunikation mit den  Mitmusikern war ein ständiges kreatives Spannungsfeld. Jane hatte klare Vorstellungen und war immer bereit, für ihre Ideen zu streiten. Das Publikum hat sie immer verstanden, immer! Sobald man mit ihr auf der Bühne stand, war der Applaus garantiert.

 

Am 15. August 2008 wurde Jane mit großer Anteilnahme auf dem Kölner Friedhof beigesetzt...

Fotos: Clues Bluesbilder.de

Musik: Wreckin Ball featuring "Jazi"  -  Knocking on Heavens Door / Live Nippes

Quelle: Harald Radewahn und Jungs aus dem Bluesforum

 

Die Trauerfeier

 Ein Freitag, gegen 13 30 Uhr.

Ein sonniger, warmer Tag, ganz entgegen der Prognosen, die Regen vorausgesagt hatten. Zum Glück hält sich das Wetter nicht immer an die Vorhersagen seiner Meteorologen, und so konnte die Beisetzung bei „ Jane-Wetter „ stattfinden.

Das ganze Lehrerkollegium der Schule war gekommen, auch einige Kinder, die sie im letzen Jahr noch betreut hatte .Und viele Musiker, die Jane in 2 Jahrzehnten musikalischen Schaffens gemeinsam in einer Band oder als Zuhörer erleben durften. Abgerundet wurde die Schar der Trauergäste durch persönliche Freundinnen und ein paar Nichtmusikern, wie mir.

Und ihr Vater samt Stiefmutter kam zur Beerdigung, um seiner Tochter, die er zu Lebzeiten nie als die Seine anerkennen mochte, die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerhalle war ein Meer von Sonnenblumen, links, rechts, hinter ihrer Urne und jeder ihrer Freunde trug eine weitere bei sich. Rechts neben der Urne noch einmal ein Porträt von Jane aus dem September letzten Jahres und hinter ihr das letzte Gemälde ihres Lebens, unvollendet ,wie ihr Leben selbst, aber doch sehr kräftig in den Farben und mysteriös. Es beinhaltet Motive aus der Kabbala, der Engel in der Mitte sollte nicht Jane darstellen, sondern das Prinzip des Lichts, der Vergebung, der Güte. Sich selbst hat Jane als rosenumkränzte Waage am rechten Bildrand dargestellt. Alle waren in bunter, teils farbenfroher Kleidung gekommen und so herrschte auf der Feier eine leichte, fast swingende Atmosphäre, genau so, wie Jane es sich gewünscht hätte.

Die Predigt wurde erstaunlicherweise von einem katholischen Pfarrer gehalten, Jane war protestantisch und auf den real existierenden Katholizismus gar nicht gut zu sprechen. Aber der Mann ist, genau wie Jane es war, in der Jugendarbeit tätig und genau wie Sie ein engagierter Kämpfer für die benachteiligten Kinder, seien sie nun christlich oder moslemisch .So hat er sich wohl entschlossen, statt des Katholizismus doch lieber das Christentum zu leben und existiert als innerer Kirchen-Dissident zum Wohle seiner Schützlinge. (Ich hoffe sein Erzbischof merkt nichts davon, denn der ist ein ganz schlimmer fundamentalistischer Finger.) Die Predigt selbst war etwas kryptisch, der Gute hatte es auch nicht leicht. Jane war eine tolle, begnadete Sängerin, eine gute Malerin, eine hervorragende Pädagogin. Aber sie war auch egozentrisch, aufbrausend, beleidigend und hatte den Hang, Menschen, die ihr zugetan waren, nur zu benutzen. Sie war sehr sozial ungemein hilfsbereit, führte gerne Menschen zusammen und trat obwohl sie als Waage-Frau auch gerne im Mittelpunkt stand, auch ebenso gerne und aufrichtig zugunsten anderer in den Hintergrund, sofern es ihnen diente. All dieses war unsere Jane, und so versuchte der Pfarrer, diese unglaubliche Komplexität in seiner Trauerrede zu vereinigen, so gut es ging. (besonders gut ist es ihm nicht gelungen, aber auch das ist typisch Jane, ob Musiker oder Pfarrer, viele waren von ihrer Persönlichkeit schlichtweg überfordert.)

gez.: Harald Radewahn

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